ATTILA JÓZSEF

da ich mich auch mit der Übersetzung ungarischer Gedichte ins Deutsche befasse, möchte ich in Abständen einige davon auf meiner Website vorstellen. Nachstehend stelle ich einige Gedichte von Attila József vor, dessen Gedichte ich sehr mag. Der Vollständigkeit halber stelle ich jeweils die ungarische Originalversion gegenüber:

LEG' DEINE HAND

Leg' deine Hand mir
auf die Stirne her,
als ob deine Hand
die meine wär'.

Bewahre mich,
als ob mein Leben bedroht wär',
als ob mein Leben
dein Leben wär'.

Liebe mich so,
als ob es zu etwas gut wär',
als ob mein Herz
dein Herz wär'.

(- Attila József - Juni 1928)
Übersetzung aus dem Ungarischen von *K.Sz.*


TEDD A KEZED

Tedd a kezed
homlokomra,
mintha kezed
kezem volna.

Úgy őrizz, mint
ki gyilkolna,
mintha éltem
élted volna.

Úgy szeress, mint
ha jó volna,
mintha szívem
szíved volna.

(-József Attila- Június 1928)


MAMA

Seit einer Woche schon denk' ich andauernd an Mama,
wie sie mit schwerem Wäschekorb unterm Arm,
knarrend, die Treppe auf den Dachboden hinaufkam
ihr Gang federnd, entschlossen.

Ich war noch ein ehrliches Menschlein klein,
forderte brüllend, tobend mein Recht ein,
sie sollte die schwere Wäsche anderen geben
und lieber mich auf den Dachboden mitnehmen.

Doch sie ging nur, hing stumm die Wäsche auf
schimpfte nicht, schaute mich nicht an,
die Kleider blähten sich im Windzug auf,
der aus dem Dachbodenfenster kam.

Heute würde ich nicht mehr klagen, doch ist's zu spät -
jetzt seh' ich, was für ein Riese sie doch war!
Nun pült Sie die Wäsche im Himmelsblau
und im Wind flattert ihr graues Haar.

(- Attila József - 1934)
Übersetzung aus dem Ungarischen von *K.Sz.*


MAMA

Már egy hete csak a mamára
gondolok mindig, meg-megállva.
Nyikorgó kosárral ölében,
ment a padlásra, ment serényen.

Én még őszinte ember voltam,
orditottam, toporzékoltam.
Hagyja a dagadt ruhát másra.
Engem vigyen föl a padlásra.

Csak ment és teregetett némán,
nem szidott, nem is nézett énrám
s a ruhák fényesen, suhogva,
keringtek, szálltak a magasba.

Nem nyafognék, de most már késő,
most látom, milyen óriás ő –
szürke haja lebben az égen,
kékitőt old az ég vizében.

(- József Attila - Okt. 1934)


Mit reinem Herzen

(von Attila József)


Hab‘ keinen Vater, keine Mutter,
keinen Gott und keine Heimat.
Keine Wiege, keine Bahre,
keine Küsse und keine Liebste.

Den dritten Tag schon esse ich nicht,
weder viel noch wenig,
zwanzig Jahre, die ich mein eigen nennen kann,
biete ich zum Verkauf nun an.

Meine zwanzig Jahre biet' ich feil,
wenn sie keiner will,
ich damit zum Teufel eil'...
Mit reinem Herzen breche ich ein,
würde sogar töten, müsst es sein.

Sie jagen mich - sie fangen mich
und hängen mich zur Strafe auf.
Danach schütten sie mein Grab
mit gesegneter Erde auf -
todbringendes Gras wächst dann
auf meinem reinen Herzen drauf.

(- Attila József März 1925 -)
(Übersetzung aus dem Ungarischen von *K.Sz.*)

Tiszta Szívvel

(von Attila József)


Nincsen apám, se anyám
se istenem, se hazán
se bölcsöm, se szemfedöm,
se csókom, se szeretöm.

Harmadnapja nem eszek,
se sokat, se keveset.
Húsz esztendöm hatalom,
hússz esztendöm eladom.

Hogyha nem kell senkinek
hát az ördög veszi meg,
Tiszta szívvel betörök,
ha kell, embert is ölök.

Elfognak és felkötnek,
áldott földdel elfödnek,
s halált hozó fü terem
gyönyörüszép szívemen.

(- József Attila - Március 1925)



Seit ich dich sah...

(von Attila József)


Seit ich dich sah...
scheint die Sonne irgendwie heller mir
und auch das Lied der Nachtigall
klingt tausendmal schöner im Ohr.
Doch bleiben deine roten Lippen stumm,
und dein Mund lächelt nicht,
ich bin der Schatten meiner selbst,
denn Küssen darf ich dich nicht.

Seit ich dich sah
spüre ich lieblichen Duft um mich her
und der Rosenstock hat keine Dornen mehr.
Nur, daß deine Seele gefror -
Nur, daß dein Herz barst vor Stolz.
Die Flamme meiner Liebe ist so
erstickt in deines Hochmuts Glut,
von dir nicht mehr gewollt.

Seit ich dich sah, spannt sich
ein ewiger Herbsthimmel über mich
, Kein Vogel, keine Schönheit macht mich froh -
denn du bindest mich immer noch an dich.
Mit deinem Namen auf den Lippen
find' ich irgendwann den Tod -
mit deinem Namen, jawohl Liebste,
so ist's von mir gewollt.

(-Attila József April 1921-)
Übersetzung aus dem Ungarischen von *K.Sz.*

Amióta...


Amióta megláttalak,
Szebben süt a nap le rám,
Dalol a kis csalogány.
Csak a piros ajkad néma
S mosoly rajta nem fakdad,
Saját magam árnya vagyok,
Hísz csókolnom nem szabad.

Amióta megláttalak,
Illatosabb a mezö
čs azóta tövis nélkül
ŕll a büszke rózsatö.
Csak a lelked lett fagyosabb,
Csak a szíved lett büszke,
S szerelmemtöl lobbant lángra
A kétségb'esés üszke.

Amióta megláttalak,
Örök tavasz ég virul
čs azóta kis madarat
Kis leány nem tart rabul.
Csak te tartasz foglyul engem
S csak a szívem csupa seb;
A neveddel ajkaimon
Halok meg! - úgy édesebb.

( - József Attila, Április 1921)


_________________ Attila József (1905 - 1937) ________
war ein kritischer und sensibler Beobachter seiner Zeit, der sehr unter dem um sich greifenden Einfluß eines nationalistischen Zeitgeistes litt und sich nur schwer mit den herrschenden gesellschaftlichen und politischen Strömungen sowie seiner persönlichen Situation einverstanden erklären konnte. Er hat sich mit 32 Jahren - als letzte persönliche Konsequenz - das Leben genommen. Umgeben von einer fanatischen, ihm fremd gewordenen Welt, ist er seinen eigenen Überzeugungen treu geblieben, welchen er in so vielen Texten mit wortgewaltiger Sprache, aber auch leisen, sanften Tönen, seine Stimme verlieh.